Kanarienhaltung im Winter: Zart aber hart

Ein nicht wissenschaftlicher Bericht

Liebe Vogelfreunde, zuerst möchte ich mich vorstellen. Ich bin Eva Wilk-Oser, seit fast 34 Jahren in der AZ und fast genauso lang Kanarienzüchterin. Meine Schwerpunkte sind Lizard (nur just for fun), Fife und Japan Hoso (von meiner Tierärztin liebevoll „Krückstöckchen“ genannt, weil sie zu den sog. gebogenen Rassen gehören).

Bei den Ausstellungen bin ich mit begrenztem Ehrgeiz relativ erfolgreich. Mir ist eine gewisse Robustheit meiner Vögel immer wichtiger als Ausstellungsqualität; so gebe ich bei meinen gesunden Kanarien keinerlei Zusätze weder über das Trinkwasser noch über das Futter. Zur Brut im Frühjahr verfüttere ich zusätzlich zum Kanarientrockenfutter gekeimte Kanariensämereien, Eifutter und Grünes (Löwenzahnblätter und Löwenzahnsamen, sog. Pusteblumen).

Kanarien am frischen Schnee

Jetzt bei starkem Frost bekommen die Volierenvögel neben den trockenen Kanariensämereien noch zusätzlich Wildsämereien und als besondere Zugabe in jede Voliere zwei halbe Walnüsse, die immer sofort aufgenommen werden. Eine Schüssel Vogelsand und Grit gehört zur Grundausstattung. Ein Blatt Endivie- oder Chicoreesalat in Abwechselung mit einer Apfelscheibe sind auch bei Frost rasch aufgenommen. Das Trinkwasser in der Wasserampel wird mit einer kleinen Heizschlange am Ampelboden eisfrei gehalten.

Ich habe keine Innenvolieren und von den Aussenvolieren keine Verbindung zu meinem Zuchtinnenraum, so daß alle Vögel im Winter in den Aussenvolieren verbleiben. Da Kanarien zu den Finkenvögel gehören wie unsere einheimischen Vögel, ist dies kein Problem, wenn sie ausreichend Futter, Wasser (oder Schnee) und Windschutz haben. Alle Volieren sind im oberen Bereich durch Kunststoffscheiben windgeschützt.

Kanarien am frischen Schnee

In diesem Winter habe ich von ca. 80 Tieren  8 Vögel, weil sie nicht o.k. erschienen, nach innen geholt; in den zu Flugabteilen erweiterten Zuchtboxen sind alle bei +8-10 ͦ C putzmunter. Natürlich kann ich sie dann nicht mehr raussetzen. In diesem Winter ist mir noch kein Vogel eingegangen. Aber alle anderen sind draußen auch bei  -20 ͦ C Nachttemperatur.

Kanarien im Schnee

Aber das Schönste ist die Vögel zu beobachten, wenn es geschneit hat und alle ihr Schneebad nehmen oder im frischen Schnee „trinken“. Ich hoffe, man kann dies auf den Photos sehen. Selbst die Japan Hoso, die ich besonders genau beobachte, weil sie sehr zart sind, sind ganz wild darauf; Es ist eine Freude, sie im Schnee zu beobachten

Vogelbörsen in Berlin / Brandenburg

Auf der Internetseite der AZ-Landesgruppe Berlin/Brandenburg sind die
regelmäßigen Vogelbörsen im Bereich der AZ-Landesgruppe,
die Vogelbörsen, die nur während der jährlichen Vogelschauen durchgeführt werden,
und weitere Vogelbörsen in Brandenburg zusammengestellt, soweit sie im Internet gelistet werden.

Die jährliche Vogelschau des Club Ornis Berlin e.V. im Botanischen Garten Berlin/Dahlem vom 19.– 21. Oktober 2012

Wir möchten unsere Besucher und Freunde schon jetzt wieder einladen zu unserer jährlichen Vogelschau des Club Ornis Berlin e.V. im Botanischen Garten Berlin/Dahlem, die wir auf den drei Ebenen des Neuen Glashauses durchführen werden.
Termin:   19.–  21. Oktober 2012.
Öffnungszeiten: Freitag, Samstag und Sonntag,  jeweils von 9 -17 Uhr.
Eintrittspreise: wie 2011

Galerie mit neuen Bildern

In der Galerie sind Bilder der Vereinsreise 2010 zur F60 in Lichterfelde und zum Grillfest mit unseren Vogelfreunden in Großräschen und eine kleine Auswahl von Bildern der Vogelschauen 2010 und 2011 eingestellt.

Bei der Googlesuche „F60“ finden Sie unter: „Besucherbergwerk F60 – Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst Pückler Land“ folgenden Eintrag:

Das heutige Besucherbergwerk F60 bei Lichterfeld nahe des Bergheider Sees – ein ehemaliges Tagebaurestloch – ist ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst Pückler Land.
Die F60 ist eine Abraumförderbrücke für die Gewinnung von Braunkohle mit einer Gesamtlänge von 502m und einem Gewicht von 11000t. Damit zählt sie weltweit zu den größten beweglichen Objekten. Sie kann bis zu 60m Abraumhöhe abtragen. Im Volksmund wird sie auch als liegender Eiffelturm bezeichnet.
Bis 1992 wurde im damaligen Tagebau Klettwitz-Nord Kohle gefördert. Nach der Schließung des Tagebaus entschied man sich, die Förderbrücke zu erhalten und sie als Besucherbergwerk öffentlich zuganglich zu machen und sie für die Zukunft zu erhalten.
Seit dem 4.5.2002 kann man den Stahlkoloss hautnah erleben und sich über die Kohleförderung informieren. Dazu gibt es im nebenstehenden Werkstattwagen eine Ausstellung. Es werden auch Führungen angeboten und man kann von der 75m hohen Aussichtsplattform einen herrlichen Ausblick genießen.

Einladung zur Jahreshauptversammlung 2012

Am Freitag, dem 27. Januar 2012, findet um 19.00 Uhr im Vereinslokal „Capital City“ in 10585 Berlin-Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 11-13, die Jahreshauptversammlung 2012 des Club Ornis Berlin e.V./ AZ-Ortsgruppe Berlin mit turnusmäßiger Wahl des Vorstandes statt. Alle Mitglieder des Vereins sind dazu eingeladen.

Ist UV bei der Vogelhaltung wichtig?

C. Mettke-Hofmann & G. Hofmann haben in einem exzellenten Aufsatz: Ist UV bei der Vogelhaltung wichtig?“ das Farbensehen und vor allem die Bedeutung der Wahrnehmung des UV-Lichtanteils beschrieben.

„Viele Vögel finden ohne zu zögern den kleinen Spalt beim gekippten Fenster, der in die Freiheit führt. Manche Arten sind leichter oder fast nur in Freivolieren züchtbar, nicht aber in Innenräumen. Blühende oder früchtetragende Bäume ziehen Vögel schon aus großer Entfernung an, auch wenn für uns noch keinerlei Blüten oder Früchte auf diese Distanz sichtbar sind. Drei Phänomene, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Aber eben nur scheinbar wie der folgende Artikel zeigen soll:  UV-Sehen bei Vögeln … weiterlesen bei  hofmann-photography

Sehen und UV-Sehen bei Vögeln

Die nachfolgende Übersicht zeigt einige Besonderheiten des Sehvermögen von Vögeln.
Die Augen der Vögel sind relativ zur Körpergröße größer als die der Säugetiere. Je nach Lebensweise besitzen Vogelaugen zahlreiche Spezialanpassungen:

 

Lichtempfindlichkeit und Sehschärfe

Eulen können bei Nacht zwar mehr sehen als Tagvögel oder der Mensch, ihr Sehen ist allerdings weniger auf Sehschärfe als auf Lichtausbeute ausgerichtet. Wanderfalken sind dagegen auf Tagjagd optimiert; sie können kleine Objekte wie Beutevögel über Entfernungen von über einem Kilometer ausmachen und verfolgen.
Zumindest kleine Vögel sind in der Lage, UV-Licht zu sehen, bei großen Vögeln wird das UV-Licht vom Glaskörper des Auges zu stark ausgefiltert. Viele Arten besitzen nicht nur drei Farbrezeptoren wie der Mensch, sondern vier Farbrezeptoren, davon einer für violettes Licht, der sich bei einigen Vogelgruppen zu einem UV-Rezeptor (um 375 Nanometer) entwickelt hat.

 

Der Nutzen des UV-Lichtes ist sehr unterschiedlich

Mäuse-Urin leuchtet im UV-Bereich, mäusejagende Greife können so von oben eine Landschaft auf ihren Mäusereichtum beurteilen.
Bei Früchten kann der Reifegrad mit Hilfe von UV-Licht besser beurteilt werden; manche Schimmelpilze besitzen im UV-Bereich andere Farben und fallen so besser auf.
Es gibt einige Vogelarten, bei denen sich die Geschlechter im für uns sichtbaren Licht nicht, wohl aber im UV-Licht unterscheiden. Stare oder einzelne Meisenarten (Blaumeisen) sind dafür ein Beispiel.

 

Zeitliches Auflösevermögen

Die meisten Vogelarten können mehr Bilder pro Sekunde unterscheiden als wir Menschen. In der Vogelhaltung sollten daher keine Leuchtstofflampen mit den üblichen 50 Hertz betrieben werden, da dieses Licht für Vögel flimmert.

Leuchtstoffröhren, die ohne elektronische Vorschaltgeräte betrieben werden, takten das Licht mit einer Frequenz von ca. 50 Hertz. Das bedeutet, fünfzig Mal pro Sekunde wird das Licht ein- und wieder ausgeschaltet. Da Menschen weit weniger als 50 Bilder pro Sekunde verarbeiten, entsteht im menschlichen Gehirn der Eindruck, dass diese Röhren permanent Licht ausstrahlen. Vögel hingegen können weit mehr Bilder pro Sekunde verarbeiten als der Mensch. Sie sehen, dass das Licht der Leuchtstoffröhren ein und wieder ausgeschaltet wird. Es entsteht das Empfinden von ständigem Flackern des Lichtes oder einer ständigen Diaschau. Das verursacht den Vögeln  enormen Stress. Leuchtstoffröhren, die ohne elektronische Vorschaltgeräte betrieben werden, sind deshalb generell abzulehnen.

Mit einem elektronischen Vorschaltgeräte zündet die Leuchtstoffröhre einige tausendmal pro Sekunde, sodass für das Vogelauge der Eindruck eines flackerfreien Licht entsteht

 

Räumliches Sehen

Vogelaugen sind anders als bei Säugern fest in der Schädelkapsel fixiert, also unbeweglich. Ihr Blick wirkt daher starr. Je nach ökologischer Anpassung ist die Fähigkeit zum räumlichen Sehen von Art zu Art sehr unterschiedlich. Bei Artengruppen, die unter einem hohen Verfolgungsdruck durch Raubtiere stehen (z. B. Tauben und Hühnervögel), sind die Augen seitlich am Kopf angeordnet. Dies erlaubt einen fast vollständigen Rundblick um 360°, die Überlappung der Sichtfelder und damit die Fähigkeit zum räumlichen Sehen ist aber relativ gering. Das andere Extrem stellen Eulen dar. Bei ihnen sind die Augen nebeneinander an der Vorderseite des Kopfes angeordnet (also wie bei Menschen). Die Sichtfelder der Augen überlappen sehr stark, entsprechend gut ist daher auch das räumliche Sehvermögen. Die geringe seitliche Ausdehnung des Sichtfeldes wird durch eine sehr starke Beweglichkeit der Halswirbelsäule ausgeglichen. Eulen können ihren Kopf um bis zu 270° drehen.
Bewegungssehen

Viele Vögel wippen beim Gehen mit dem Kopf vor und zurück. Dabei dient die Rückwärtsbewegung dazu, den Kopf für einen Moment relativ zur Umgebung in Ruhe zu halten, sodass das Bild auf der Netzhaut sich nicht bewegt, zugunsten der besseren Erkennbarkeit bewegter Objekte – wie beispielsweise eines Raubtieres. Der Scharfsehbereich ist beim Menschen ca. 2,5° fokussiert, bei den Vögeln ca. 20° wesentlich erweitert. Auch das verbessert die Wahrnehmung von Bewegungen.
Unterwassersehen

Vögel, die unter Wasser ihre Nahrung suchen, können ihre besonders weichen Augenlinsen durch Muskeln verformen und so das Brechungsvermögen anpassen. Im Wasser werden  außerdem verschiedene Wellenlängen sehr schnell absorbiert, so daß nur wenig farbiges Licht in tiefere Wasserschichten vordringt. Auch UV-Licht dringt nicht sehr tief ein, d.h., unter Wasser benötigen Vögel keine UV-Rezeptoren. Wohl aber kommen Blautöne in den oberen Wasserschichten verstärkt vor. Das Vorhandensein von zwei Rezeptoren in diesem Bereich, einem blauempfindlichen (max. Empfindlichkeit bei 460nm) und einem violettempfindlichen (max. Empfindlichkeit bei 420nm), könnte für tauchende Vögel von Vorteil sein.

Zusammengestellt z.T. aus Wikimedia (Vögel) und aus dem Aufsatz:  Ist UV bei der Vogelhaltung wichtig? von  C. Mettke-Hofmann & G. Hofmann.

Beifuß und anderes Vogelfutter aus der Natur

Beifuss mit halbreifen Samen

Beifuß und andere Sämereien reifen zur Zeit reichlich in der  Natur. Olaf Hungenberg  hat einen reichlich bebilderten Aufsatz über „Vogelfutter aus der Natur“ verfasst, der als PDF-datei nachles- und herunterladbar ist  unter Nützliches > PDF-Dateien: > Berichte • Fachartikel > „Vogelfutter aus der Natur“ auf der Homepage  der Firma  Hungenberg  birdsandmore“.

Dort gibt es viele Anregungen zum Nachlesen und vor allem zum Sammeln.

Keimfutter – ein Aufsatz von Olaf Hungenberg

Dieser Text basiert auf einem hervorragendem Aufsatz mit vielen Bildern von Olaf Hungenberg – Düsseldorf/Neuss, erschienen in „Der Vogelfreund“ Ausgabe 5/2006, und als PDF nachles- und herunterladbar  über den Direkt-Link der birdsandmore.de-Seite der Firma Hungenberg http://www.birdsandmore.de.

Hier eine verkürzte Darstellung mit freundlicher Genehmigung von Herrn O. Hungenberg.

Keimfutter stellt  eine ideale Bereicherung der Ernährung dar vorausgesetzt, man verwendet einwandfreie hochkeimfähige Saaten und bereitet das Keimfutter richtig zu.  In der Aufzuchtphase kommt Keimfutter eine besondere Rolle zu.

Grundsätzliche Überlegungen

Man muss sich jedoch – sollte man sich für die Verwendung von Keimfutter entscheiden – darüber im Klaren sein, dass die Utensilien zur Herstellung (Keimsieb, Keimautomat etc.) stets nach dem Gebrauch gründlich gereinigt werden müssen, um eventuell anhaftende Keime zu entfernen.

Es gibt die verschiedensten Gerätschaften um Keimfutter herzustellen.  Gleich welche Methode man auch wählt, zwei Voraussetzungen müssen gegeben sein: zum einen müssen diese Geräte leicht zu säubern sein und zum anderen müssen die Bedingungen für eine optimale Keimung erfüllt werden.

Optimal sind Haushaltssiebe aus Kunststoff oder die neuerdings auf dem Markt erhältlichen Keimsiebe mit einem wahlweisen Durchmesser von 20 cm bzw. 30 cm. Sinnvoll ist es sich diese Siebe in doppelter Ausführung zuzulegen, so dass jeweils ein Satz in Gebrauch und ein Satz in der Reinigung ist. Derartige Kunststoffsiebe können problemlos und ohne großen Aufwand mit einem handelsüblichen Chlorreiniger in entsprechender Verdünnung behandelt werden. Lässt man die Siebe nach dem Reinigungsvorgang gut abtrocknen, so ist der Hygiene zumindest bei den Utensilien Rechnung getragen. Des Weiteren muss man nach dem eigentlichen Quellvorgang in  regelmäßigen Abständen die Saat ausspülen. All diese Dinge sind zu berücksichtigen, und wer all dies nicht garantieren kann, sollte erst gar nicht mit Keimfutter anfangen.

Quellzeit

Die ideale Quellzeit/Wässerungszeit hängt von der jeweiligen Samenart ab. In der Regel benötigen ölhaltige Sämereien eine deutlich geringere Wässerungszeit als mehlhaltige Sämereien. So reicht bei ölhaltigen Samen meist eine Wässerungszeit von 4 Stunden vollkommen aus, während mehlhaltige Samen mindestens 6 Stunden gewässert werden sollten. Dieser Grundsatz gilt ausschließlich für üblicherweise in Keimfuttermischungen verwendete Sämereien und auch nur bei nicht ölpolierten Sämereien.

Die zuvor genannte Quellzeit sollte nicht deutlich überschritten werden, um die Atmung des Samens nicht zu beeinträchtigen. Im Zuge einer übermäßigen Quellzeit kommt es durch intrazelluläre Atmung zu Gärungsvorgängen, die den Keimling schädigen.

Keimphase

Nach der Quellphase wird die Saat gut und gründlich durchgespült – vorzugsweise mit handwarmem Wasser – und nach einer  Abtropfzeit im Sieb zu 2/3 abgedeckt. Auch von unten sollte Sauerstoff an die Saat gelangen. Die weitere Atmung des  Keimlings ist mit der Entstehung von Kohlendioxid und einer fühlbaren Wärmefreisetzung verbunden.

Die Sauerstoffzufuhr ist jetzt wichtig, da sich sonst Kohlendioxid anreichert und hier eine intrazelluläre Atmung die Folge wäre. Die entstehende Gärung führt dabei zur Bildung von Ethanol, Fuselölen und Säuren, die den Keimling empfindlich schädigen können.

Während dieser Keimphase sollte mindestens alle 12 Stunden ein gründliches Durchspülen und Abtropfen erfolgen. Die Umgebungstemperatur hat einen großen Einfluss auf die Keimgeschwindigkeit, höhere Temperaturen beschleunigen erwartungsgemäß das Keimwachstum.  Überschüssiges Keimfutter kann problemlos im Kühlschrank aufbewahrt werden, wobei der Keimprozeß deutlich verlangsamt wird.

„Quellfutter“

Oft ist auch die Rede von so genanntem „Quellfutter“ – also einer Keimfuttermischung welche bereits nach der Quellphase verfüttert wird und der Spross noch nicht zu erkennen ist. Ernährungsphysiologisch ist es jedoch dem hier besprochenen Keimfutter deutlich unterlegen und vom Nährwert dem trockenen Korn gleichzusetzen. Einziger Vorteil des Quellfutters gegenüber dem trockenen Körnerfutter ist die Konsistenz, welche durchaus zu einer bevorzugten Aufnahme animiert.

Veränderungen durch die Keimphase

Der Samen besteht generell aus Keimling, Körper und Umhüllung (Spelze, Frucht- und Samenschale). Der Keimling ist der lebende Teil des Samens. Der Körper– je nach Samenart mit unterschiedlichen Kohlehydrat-, Protein- und Fettanteilen – dient dem Keimling während der Keimung als Nährstoffspeicher. Diese inneren Reserven reichen aus, den Keimling für längere Zeit von einer Nährstoffzufuhr unabhängig zu machen.

Beim Keimen steigt der Wassergehalt der Samen je nach Samenart in Kürze von 10 auf bis zu 70 bis 80 Prozent an. Mit dieser  Wasseraufnahme und der dadurch bedingten Volumenzunahme der Zellen, setzen zahlreiche Stoffwechselaktivitäten ein. Dies setzt allerdings voraus, dass im Samen auch tatsächlich eine  Keimungsbereitschaft vorhanden ist und somit die Samenruhe durchbrochen werden kann.

Die Keimbereitschaft ist stark abhängig von den Bedingungen während der Reife, der Ernte und der Weiterbehandlung (z.B. künstliche Trocknung aufgrund hohen Wassergehaltes des Kornes).

Im frühen Keimstadium ist der rasche Anstieg an bestimmten Enzymen bestimmend, der die Mobilisierung der Reservestoffe einleitet. Bereits wenige Stunden nach dem Weichen werden die im Keimling lokalisierten löslichen Zucker nahezu völlig verstoffwechselt. Der weitere Bedarf an Glukose wird durch die Mobilisierung der Stärke im Samenkörper gedeckt. Die komplexen Kohlenhydrate werden zu leicht verdaulichem Doppelzucker umgewandelt – der Keimling erhält seine typisch süßliche Geschmacksnote.

Der Abbau der Proteine (Reserveproteine) erfolgt durch Enzyme und wird direkt für Neusynthesen von Proteinen, Aminosäuren und weiteren stickstoffhaltigen Verbindungen verwendet. Hier ist vor allem die Veränderung zu Gunsten freier Aminosäuren hervorzuheben. Die Fettreserven werden zu Fettsäuren und Glycerin abgebaut – was eine Erhöhung des Gehaltes an mehrfach ungesättigten Fettsäuren nach sich zieht. Weitere Inhaltsstoffe des Korn werden zur Biosynthese sekundärer Pflanzenstoffe verwendet.

Der Anstieg an Vitamingehalten im Verlaufe der Keimung kann vor allem bei Vitaminen des B-Komplexes, Vitamin C, Vitamin E und Vitamin K beträchtlich sein. Auch hier spielt die Samenart eine große Rolle, sowie die Keimdauer.

Ernährungsphysiologischer Wert von Keimfutter

Während grundsätzlich der ernährungsphysiologische Wert von Keimfutter aufgrund der Bioverfügbarkeit der veränderten Inhaltsstoffe bereits im frühen Keimstadium hervorzuheben ist, ist mit fortschreitender Keimung und Einsetzen der Photosynthese ein Anstieg der Hauptnährstoffgehalte zu verzeichnen. Der Proteingehalt der gekeimten Saat steigt im Vergleich zur jeweiligen Trockensubstanz im weiteren Verlauf der Keimung bis zu etwa 30% an – abhängig von der jeweiligen Saat – wogegen er ab einer bestimmten Schwelle wieder absinkt.

Quelle: Dieser Text basiert auf dem hervorragenden Aufsatz von Olaf Hungenberg nachlesbar unter Nützliches > PDF-Dateien: > Berichte • Fachartikel > Keimfutter auf der Homepage der Firma Hungenberg (birdsandmore.de). Dort finden sich auch umfangreiche Quellenangabe!

Sendungen im Oktober 2010 – Filme und Dokus aus der Natur- und Vogelwelt

Eistaucher – die Stimme der Wildnis
Samstag. 09.10.2010
Sender: BR
Wiederholungen von TIERE VOR DER KAMERA

Ein Film von Ernst Arendt und Hans Schweiger
Ein See in der Wildnis, Nebel, Stille und plötzlich ein schauriger Schrei: Wer je die Nordwälder Amerikas besuchte, wird den Ruf des Eistauchers nie vergessen, diese „Stimme der Wildnis“ wird ihm immer im Ohr bleiben. „Der Faszination der Eistaucher konnten wir uns einfach nicht entziehen, seit Jahren hatten wir die Idee, diesen Zauber in einen Film zu packen. In den Nordwäldern der USA fanden wir endlich die ideale Szenerie für diesen Film: Er ist mehr als ein Tierfilm geworden, ein Film, der beglückend unter die Haut geht. So wildromantisch dieses elegante Tier lebt, kommt trotzdem die Aktion nicht zu kurz.“

Denn kaum ist das Eis auf den Seen geschmolzen, schallt der Ruf über das Wasser und die graziöse Silhouette der Eistaucher erscheint im Morgennebel: Die Stille des Winters ist gebrochen. Die Brutreviere abstecken, das geht nicht ohne Imponieren, Streit und wilde Verfolgungsjagden übers Wasser, dass es nur so spritzt. Der Verlierer muss den See räumen, was nicht immer leicht ist. Eistaucher sind schnelle Flieger und brauchen einen langen Startlauf.

Wenn der Platz fehlt oder der Wind ungünstig steht, gibt es spektakuläre Notlandungen und Startabbrüche. An Land kommen Eistaucher nur zum Brüten. Laufen können sie nicht, mühsam rutschen sie auf dem Bauch ans Ufer und legen ein bis zwei Eier in eine Mulde. Fast einen Monat lang brüten sie bis zum großen Ereignis: Süße kleine, schwarze Federbällchen schlüpfen und hopsen schon kurz darauf ins Wasser, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Sind sie müde von der Anstrengung, dürfen sie Kahn fahren: Auf dem Rücken der Eltern können sie ausruhen.

Wie üblich geben Ernst Arendt und Hans Schweiger auch Einblick in die Entstehung des Films und lassen den Zuschauer teilhaben an beglückenden und sehr individuellen Erlebnisse mit Tieren.

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