Archiv - Wissenswertes RSS Feed

Der Blauohrhonigfresser. Ein seltener Pflegling in unseren Volieren. Ein Zuchtbericht von Peter Heppe

 

Meine besondere Liebe zu den Blauohrhonigfressern wurde durch einen Besuch bei einem Vogelhändler, den ich im Sommer des Jahres 2000 besuchte, um ein Paar Häherlinge und Finken zu kaufen, geweckt.  Bei einem Rundgang durch seine Anlagen fiel mir ein Vogel auf, den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte und auch nicht kannte. Interessiert fragte ich nach den Namen und erhielt darauf vom  Händler die schlichte Antwort: „Blauohrhoniganzeiger „.

Da mein Vater und mein Sohn mich bei diesem Besuch begleiteten und ebenso begeistert von diesen Vogel waren, überzeugten sie mich nach etwa 2 Wochen diesen sehr schönen Vogel zu erwerben. Da es sich um ein Einzeltier handelte, versuchte ich schnell ein Partnertier zu finden. Dies erwies sich doch schwieriger als ich annahm. Ich gab Inserate auf, suchte im Internet, in allen möglichen Vogelzeitschriften um Informationen und ein Zweittier zu bekommen. Die Resultate waren jedoch sehr ernüchternd. In einem Buch fand ich dann endlich ein Foto, jedoch war der Vogel unter einem anderen Namen beschrieben:

Blauohrhonigfresser, lat. Entomyzon cyanotis. Die leider sehr kurze Abhandlung über. diesen Vogel stellte mich nicht zufrieden und ich suchte mit großem Elan weiter, kaufte Bücher, auch in englischer Sprache, um alle möglichen Informationen zu erhalten.

Auf der Suche nach einem Zweitvogel sagte mir jeder Vogelhändler, es wäre aussichtslos noch einen solchen Vogel zu bekommen. Blauohrhonigfresser seien zu selten im Handel, es gäbe fast keine Nachzuchten und der Import sei durch das australische Exportverbot ohnehin unmöglich. Wahrlich schlecht Aussichten, kann man meinen.

Doch fand ich  durch Zufall einen Zoo, der 2003 Nachzuchten hatte. Der dortige Kurator versprach mir nach langen Telefonaten einen Jungvogel mit einem kleinen Schönheitsfehler, geb. am 23.05.2003.  Kurze Zeit später, im Herbst 2003, fuhr ich überglücklich eine Strecke über 600 km um dies en Vogel zu erwerben.

Die Fahrt überstand das Tier sehr gut. Als ich  beide Vögel zusammen setzte, vertrugen sie sich sofort, es gab keine Streitereien, am Abend saßen sie dicht an dicht auf  der Stange. Eine DNA-Analyse enttäuschte nach etwa 4 Wochen meine Erwartungen von einem Paar, beide Vögel erwiesen sich als Hähne.

Die Suche nach weiteren Vögeln ging nun weiter. Im Jahr 2004 hatte dieser Zoo noch 2 Jungvögel, geb. am 28.07.2003. Da auch diese beiden Vögel einen kleinen Schönheitsfehler hatten, konnte ich auch sie im Frühjahr 2005 käuflich erwerben. Der sofortige DNA-Test ergab ein männliches und ein weibliches Tier.

Nun wurde das weibliche Tier zu den ersten, alten Herren gesetzt. In einer anderen Voliere setzte ich die beiden Jungvögel zusammen. Mit der Zusammenführung und der gemeinsamen Haltung gab es keine Probleme. Nach Informationen von verschiedenen Zoos sollte man den Vögeln ein Schlafnest anbieten. Ich verwendete bei den Jungvögeln einen alten Bügelkorb mit ca. 50 cm Durchmesser, welcher mit trockenem Heu und Schilf gefüllt war und in eine geschützte Ecke gehangen wurde. Bei dem Paar verwendete ich einen halboffenen Kasten mit einer Grundfläche von 28 cm x 28 cm und einer Höhe von 50 cm. Dieser war ebenfalls mit Heu und trockenem Schilf gefüllt.

 

Allgemein
Der Blauohrhonigfresser gehört zu den Sperlingsvögeln. Der Name verweist auf seine Charakteristik, den großen, leuchtend blauen, unbefiederten Fleck an den Augen. Der Rücken, die Flügel und der Schwanz sind olivgrün, die Brust und der Bauch weiß mit schwarzer Kehle und Latz. Die schwarze Kappe wird von einem weißen Ring umschlossen. Der  Schnabel ist lang und spitz, die Zunge lang und zwei gespalten aber nicht pinselförmig ausgefranst. Die Beine sind hornfarben  und haben lange sehr spitze Krallen.

Die Gesamtgröße beträgt etwa 30 cm. Die Eier sind beige farbig mit rostfarbenen Flecken und etwa 32 mm mal 22 mm groß. Gelegt werden meist zwei, selten drei Eier, bei zwei Bruten im Jahr. In der Heimat sind drei bis vier Bruten keine Seltenheit. Der Blauohrhonigfresser siedelt ursprünglich vor allem im Norden, Osten und teilweise im Süden Australiens und  Neuguineas.  Er bewohnt die Ränder von Regen-, Eukalyptus- und Mangrovenwäldern,  sowie auch Parks in den Städten. Der Vogel lebt in kleinen Gruppen oder Paaren. Der Ruf der Vögel ist ein lautes durchdringendes Pfeifen, doch auch leisere und melodische Töne können von den Tieren angeschlagen werden.

 

Ernährung
Die Blauohrhonigfresser ernähren sich in der Heimat von Nektar, Pollen und weichen Früchten. Insekten, die sie bei der Aufnahme von Nektar und Pollen“ aufspüren, werden ebenfalls nicht verschmäht. Meine Vögel bekommen täglich Beoperlen, Unipatee Tropic, ein Insektenfutter, verschiedenes weiches und saftiges Obst, Magerquark oder Frischkäse, etwa 5 – 8 Mehlwürmer oder Drohnenmaden (frisch/gefroren) pro Tier. Im Sommer in der Freivoliere werden Wiesenplankton und Ameisenpuppen frisch gefüttert. Wichtig ist eine Mischung aus Traubenzucker, Nektron und Lori von Orlux und Wasser welche einen dünnen Brei ergibt. Pro Vogel werden jeden 2. Tag etwa 25 ml gereicht.

 

Zucht
Die Zucht der Blauohrhonigfresser gestaltet sich im Allgemeinen sehr schwierig und aufwändig. Trotz frühzeitiger Einfuhr, in der Schweiz 1882 und in Deutschland 1883, ist die Erstzucht in privater Hand in der Schweiz erst 1998 durch Herrn Battler gelungen. In Deutschland sind in verschiedenen Zoos und Tierparks Blauohrhonigfresser gezüchtet
worden, aber  soweit bekannt keine in privater Hand. Meine Vögel beziehen im Herbst Volieren im Keller, welche beheizt werden können. Das Licht ist etwa entsprechend dem Tageslicht (Neonlampen mit Tageslichtcharakter) angepasst und die Beleuchtung zeitlich verlängert.  Andere Volieren sind mit verschiedenen Finken und „Krummschäbeln“  besetzt. Die richtige Temperatur (etwa 22°C), Luftfeuchtigkeit (etwa 80 bis 85 %), Ernährung und Beleuchtung sind das Wichtigste für eine optimale Haltung und für einen guten Zuchterfolg.

Durch Zufall bemerkte ich wie die Henne Mitte Januar 2007 zusätzlich Schilf in den halboffenen Kasten schleppte und ein napfförmiges Nest mit einem Durchmesser von ca. 15 cm baute. Bei einer Kontrolle eine Woche später lag ein Ei im Nest. Zwei weitere Eier wurden an den nachfolgenden zwei Tagen gelegt. Die Henne brütete 17 Tage bis zum
Schlupf der Küken. Da das Paar sehr ängstlich und aufgeregt war, konnte ich ein Füttern der Jungen nicht beobachten. Der Hahn jedoch fütterte die Henne am ersten Tag regelmäßig. Um nicht unnötig zu stören wurde der Raum nur noch zur Fütterung betreten. Dabei wurde zusätzlich täglich eine kurze Nestkontrolle durchgeführt. Leider warfen die Elterntiere am 3. und am 4. Tag je ein Küken in der Nacht aus dem Nest. Am 5. Tag fand ich auch das letzte Küken im Nest tot auf. Die toten Küken waren ungewöhnlicher Weise wohl genährt. Über die Ursachen des Todes lässt sich nur spekulieren. Nach 3 Wochen versuchte das Paar es noch einmal. Es wurden nur 2 Eier gelegt. Jede Störung wurde vermieden. Über eine kleine, schnell von mir installierte Überwachungskamera konnte ich das Treiben in der Voliere beobachten. Gefüttert und gehudert wurde vorbildlich, aber nach 4 Tagen lagen die Küken tot auf den Boden der Voliere.

Ich stand vor einem für mich unlösbaren Rätsel und hoffte auf die nächste Brutsaison. In der Zwischenzeit dachte ich über die möglichen Fehler bei der Zusammensetzung des Futters nach und holte von verschiedenen Zoos und deren Kuratoren wertvolle Informationen zur Haltung und Zucht ein.

Im Sommer 2007  bis Anfang Oktober  waren die Vögel wieder in der Gartenvoliere. Mitte November 2007 bemerkte ich, dass die Blauohrhonigfresserhenne wieder trockenes Gras schleppte. Am 20.11.2007 waren 2 Eier gelegt worden, welche sofort bebrütet wurden. Um jede Störung zu vermeiden wurde der Deckel vom halboffenen Kasten entfernt und eine Überwachungskamera über das Nest installiert. So konnte ich in einem Nebenraum am Monitor das Treiben im Nest beobachten.

Den Schlupf des ersten Jungen am 6.12.2007 konnte ich durch die Arbeit nicht in natura verfolgen, aber ein Videoband lief mit. So konnte ich später genau auf dem Video beobachten wie die Henne ganz vorsichtig das Ei ringsherum frei knabberte, dann beide Hälften vom Küken zog und das Junge so geboren wurde. Diese Art des Schlüpfens kannte ich bis dahin von keinem anderen Vogel. Am 8.12.2007 war auch das zweite Junge geboren, auch hier  knabberte die Henne das Ei auf.

Verschiedenste Futtermischungen, Obst, kleine Mehlkäfer, Drohnenmaden und spezielle Enzyme brachten schließlich den lang ersehnten Erfolg. Ich hatte bemerkt, dass die Alttiere bei der Fütterung einen Mehlwurm im Schnabel hielten, diesen jedoch nicht übergaben, sondern nur vorverdaute Flüssigkeit am Mehlwurm vorbei in den Schnabel der Jungtiere hineintropfen ließen. Der Mehlwurm diente offensichtlich als optischer Reizauslöser zum Öffnen der kleinen Schnäbel und wurde nach der Versorgung der Jungtiere von den Eltern gefressen.

Die Jungen waren an den ersten Tagen fast nackt, nur wenige Dunen waren zu sehen. Sie wurden gut gefüttert und entwickelten sich dementsprechend vorbildlich. Ab dem 5. Tag konnte man das Öffnen der Augen und in den Folgetagen die Bildung des Gefieders  beobachten. Kurz darauf, zehn Tage nah dem Schlupf wurden kleine Mehlwürmer und Teile von zertrennten Drohnenmaden von den Alttieren gefüttert. Nach 18 Nestlingstagen verließ der erste Junge am 24.12. das Nest. Er versuchte durch erste Flugversuche aber verstärkt durch Springen und Klettern immer in der Nähe der Eltern zu sein.

Am 26.12. verstarb plötzlich der 2. Jungvogel im Nest obwohl er regelmäßig gefüttert wurde. Er war etwas mager, wahrscheinlich reichte die Futtermenge nicht mehr aus, denn der Ausgeflogene bettelte mit sehr lauten Rufen ständig nach Futter, so dass der zweite Nestling womöglich vernachlässigt wurde.
  

Ende März 2008 begann das Paar mit einem erneuten Brutversuch, bei dem wieder 2 Küken schlüpften. Das Füttern und Pflegen der Jungvögel meisterten das Paar wieder mit Bravour. Nach dem Ausfliegen des ersten Jungvogels der Folgebrut wurde der zweite Jungvogel von Hand zugefüttert. Er bekam in regelmäßigen Abständen 2 bis 5 kleine Drohnenmaden. Dazu wurde er kurz aus dem Nest genommen. Nach dem Wiedereinsetzen des Nestlings kontrollierte die Henne sofort, ob der Kleine Kot abgesetzt hatte und beseitigte diesen im Falle dessen. Danach versuchte sie ihn nochmals zu füttern und er schnappte auch dann noch kräftig zu. Vier Tage später saß er dann neben seinem Geschwister auf der Stange.

Nach 4 Monaten beginnt die so genannte Jugendmauser. Der allererste Jungvogel ist inzwischen genau so groß wie seine Eltern, selbstständig und steht ihnen in Nichts nach. Mitte Mai 2009 wurden alle Blauohrhonigfresser bei warmem Wetter in die Gartenvolieren mit Schutzhäusern umgesetzt.

Ist UV bei der Vogelhaltung wichtig?

C. Mettke-Hofmann & G. Hofmann haben in einem exzellenten Aufsatz: Ist UV bei der Vogelhaltung wichtig?“ das Farbensehen und vor allem die Bedeutung der Wahrnehmung des UV-Lichtanteils beschrieben.

„Viele Vögel finden ohne zu zögern den kleinen Spalt beim gekippten Fenster, der in die Freiheit führt. Manche Arten sind leichter oder fast nur in Freivolieren züchtbar, nicht aber in Innenräumen. Blühende oder früchtetragende Bäume ziehen Vögel schon aus großer Entfernung an, auch wenn für uns noch keinerlei Blüten oder Früchte auf diese Distanz sichtbar sind. Drei Phänomene, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Aber eben nur scheinbar wie der folgende Artikel zeigen soll:  UV-Sehen bei Vögeln … weiterlesen bei  hofmann-photography

Sehen und UV-Sehen bei Vögeln

Die nachfolgende Übersicht zeigt einige Besonderheiten des Sehvermögen von Vögeln.
Die Augen der Vögel sind relativ zur Körpergröße größer als die der Säugetiere. Je nach Lebensweise besitzen Vogelaugen zahlreiche Spezialanpassungen:

 

Lichtempfindlichkeit und Sehschärfe

Eulen können bei Nacht zwar mehr sehen als Tagvögel oder der Mensch, ihr Sehen ist allerdings weniger auf Sehschärfe als auf Lichtausbeute ausgerichtet. Wanderfalken sind dagegen auf Tagjagd optimiert; sie können kleine Objekte wie Beutevögel über Entfernungen von über einem Kilometer ausmachen und verfolgen.
Zumindest kleine Vögel sind in der Lage, UV-Licht zu sehen, bei großen Vögeln wird das UV-Licht vom Glaskörper des Auges zu stark ausgefiltert. Viele Arten besitzen nicht nur drei Farbrezeptoren wie der Mensch, sondern vier Farbrezeptoren, davon einer für violettes Licht, der sich bei einigen Vogelgruppen zu einem UV-Rezeptor (um 375 Nanometer) entwickelt hat.

 

Der Nutzen des UV-Lichtes ist sehr unterschiedlich

Mäuse-Urin leuchtet im UV-Bereich, mäusejagende Greife können so von oben eine Landschaft auf ihren Mäusereichtum beurteilen.
Bei Früchten kann der Reifegrad mit Hilfe von UV-Licht besser beurteilt werden; manche Schimmelpilze besitzen im UV-Bereich andere Farben und fallen so besser auf.
Es gibt einige Vogelarten, bei denen sich die Geschlechter im für uns sichtbaren Licht nicht, wohl aber im UV-Licht unterscheiden. Stare oder einzelne Meisenarten (Blaumeisen) sind dafür ein Beispiel.

 

Zeitliches Auflösevermögen

Die meisten Vogelarten können mehr Bilder pro Sekunde unterscheiden als wir Menschen. In der Vogelhaltung sollten daher keine Leuchtstofflampen mit den üblichen 50 Hertz betrieben werden, da dieses Licht für Vögel flimmert.

Leuchtstoffröhren, die ohne elektronische Vorschaltgeräte betrieben werden, takten das Licht mit einer Frequenz von ca. 50 Hertz. Das bedeutet, fünfzig Mal pro Sekunde wird das Licht ein- und wieder ausgeschaltet. Da Menschen weit weniger als 50 Bilder pro Sekunde verarbeiten, entsteht im menschlichen Gehirn der Eindruck, dass diese Röhren permanent Licht ausstrahlen. Vögel hingegen können weit mehr Bilder pro Sekunde verarbeiten als der Mensch. Sie sehen, dass das Licht der Leuchtstoffröhren ein und wieder ausgeschaltet wird. Es entsteht das Empfinden von ständigem Flackern des Lichtes oder einer ständigen Diaschau. Das verursacht den Vögeln  enormen Stress. Leuchtstoffröhren, die ohne elektronische Vorschaltgeräte betrieben werden, sind deshalb generell abzulehnen.

Mit einem elektronischen Vorschaltgeräte zündet die Leuchtstoffröhre einige tausendmal pro Sekunde, sodass für das Vogelauge der Eindruck eines flackerfreien Licht entsteht

 

Räumliches Sehen

Vogelaugen sind anders als bei Säugern fest in der Schädelkapsel fixiert, also unbeweglich. Ihr Blick wirkt daher starr. Je nach ökologischer Anpassung ist die Fähigkeit zum räumlichen Sehen von Art zu Art sehr unterschiedlich. Bei Artengruppen, die unter einem hohen Verfolgungsdruck durch Raubtiere stehen (z. B. Tauben und Hühnervögel), sind die Augen seitlich am Kopf angeordnet. Dies erlaubt einen fast vollständigen Rundblick um 360°, die Überlappung der Sichtfelder und damit die Fähigkeit zum räumlichen Sehen ist aber relativ gering. Das andere Extrem stellen Eulen dar. Bei ihnen sind die Augen nebeneinander an der Vorderseite des Kopfes angeordnet (also wie bei Menschen). Die Sichtfelder der Augen überlappen sehr stark, entsprechend gut ist daher auch das räumliche Sehvermögen. Die geringe seitliche Ausdehnung des Sichtfeldes wird durch eine sehr starke Beweglichkeit der Halswirbelsäule ausgeglichen. Eulen können ihren Kopf um bis zu 270° drehen.
Bewegungssehen

Viele Vögel wippen beim Gehen mit dem Kopf vor und zurück. Dabei dient die Rückwärtsbewegung dazu, den Kopf für einen Moment relativ zur Umgebung in Ruhe zu halten, sodass das Bild auf der Netzhaut sich nicht bewegt, zugunsten der besseren Erkennbarkeit bewegter Objekte – wie beispielsweise eines Raubtieres. Der Scharfsehbereich ist beim Menschen ca. 2,5° fokussiert, bei den Vögeln ca. 20° wesentlich erweitert. Auch das verbessert die Wahrnehmung von Bewegungen.
Unterwassersehen

Vögel, die unter Wasser ihre Nahrung suchen, können ihre besonders weichen Augenlinsen durch Muskeln verformen und so das Brechungsvermögen anpassen. Im Wasser werden  außerdem verschiedene Wellenlängen sehr schnell absorbiert, so daß nur wenig farbiges Licht in tiefere Wasserschichten vordringt. Auch UV-Licht dringt nicht sehr tief ein, d.h., unter Wasser benötigen Vögel keine UV-Rezeptoren. Wohl aber kommen Blautöne in den oberen Wasserschichten verstärkt vor. Das Vorhandensein von zwei Rezeptoren in diesem Bereich, einem blauempfindlichen (max. Empfindlichkeit bei 460nm) und einem violettempfindlichen (max. Empfindlichkeit bei 420nm), könnte für tauchende Vögel von Vorteil sein.

Zusammengestellt z.T. aus Wikimedia (Vögel) und aus dem Aufsatz:  Ist UV bei der Vogelhaltung wichtig? von  C. Mettke-Hofmann & G. Hofmann.

Beifuß und anderes Vogelfutter aus der Natur

Beifuss mit halbreifen Samen

Beifuß und andere Sämereien reifen zur Zeit reichlich in der  Natur. Olaf Hungenberg  hat einen reichlich bebilderten Aufsatz über „Vogelfutter aus der Natur“ verfasst, der als PDF-datei nachles- und herunterladbar ist  unter Nützliches > PDF-Dateien: > Berichte • Fachartikel > „Vogelfutter aus der Natur“ auf der Homepage  der Firma  Hungenberg  birdsandmore“.

Dort gibt es viele Anregungen zum Nachlesen und vor allem zum Sammeln.

Keimfutter – ein Aufsatz von Olaf Hungenberg

Dieser Text basiert auf einem hervorragendem Aufsatz mit vielen Bildern von Olaf Hungenberg – Düsseldorf/Neuss, erschienen in „Der Vogelfreund“ Ausgabe 5/2006, und als PDF nachles- und herunterladbar  über den Direkt-Link der birdsandmore.de-Seite der Firma Hungenberg http://www.birdsandmore.de.

Hier eine verkürzte Darstellung mit freundlicher Genehmigung von Herrn O. Hungenberg.

Keimfutter stellt  eine ideale Bereicherung der Ernährung dar vorausgesetzt, man verwendet einwandfreie hochkeimfähige Saaten und bereitet das Keimfutter richtig zu.  In der Aufzuchtphase kommt Keimfutter eine besondere Rolle zu.

Grundsätzliche Überlegungen

Man muss sich jedoch – sollte man sich für die Verwendung von Keimfutter entscheiden – darüber im Klaren sein, dass die Utensilien zur Herstellung (Keimsieb, Keimautomat etc.) stets nach dem Gebrauch gründlich gereinigt werden müssen, um eventuell anhaftende Keime zu entfernen.

Es gibt die verschiedensten Gerätschaften um Keimfutter herzustellen.  Gleich welche Methode man auch wählt, zwei Voraussetzungen müssen gegeben sein: zum einen müssen diese Geräte leicht zu säubern sein und zum anderen müssen die Bedingungen für eine optimale Keimung erfüllt werden.

Optimal sind Haushaltssiebe aus Kunststoff oder die neuerdings auf dem Markt erhältlichen Keimsiebe mit einem wahlweisen Durchmesser von 20 cm bzw. 30 cm. Sinnvoll ist es sich diese Siebe in doppelter Ausführung zuzulegen, so dass jeweils ein Satz in Gebrauch und ein Satz in der Reinigung ist. Derartige Kunststoffsiebe können problemlos und ohne großen Aufwand mit einem handelsüblichen Chlorreiniger in entsprechender Verdünnung behandelt werden. Lässt man die Siebe nach dem Reinigungsvorgang gut abtrocknen, so ist der Hygiene zumindest bei den Utensilien Rechnung getragen. Des Weiteren muss man nach dem eigentlichen Quellvorgang in  regelmäßigen Abständen die Saat ausspülen. All diese Dinge sind zu berücksichtigen, und wer all dies nicht garantieren kann, sollte erst gar nicht mit Keimfutter anfangen.

Quellzeit

Die ideale Quellzeit/Wässerungszeit hängt von der jeweiligen Samenart ab. In der Regel benötigen ölhaltige Sämereien eine deutlich geringere Wässerungszeit als mehlhaltige Sämereien. So reicht bei ölhaltigen Samen meist eine Wässerungszeit von 4 Stunden vollkommen aus, während mehlhaltige Samen mindestens 6 Stunden gewässert werden sollten. Dieser Grundsatz gilt ausschließlich für üblicherweise in Keimfuttermischungen verwendete Sämereien und auch nur bei nicht ölpolierten Sämereien.

Die zuvor genannte Quellzeit sollte nicht deutlich überschritten werden, um die Atmung des Samens nicht zu beeinträchtigen. Im Zuge einer übermäßigen Quellzeit kommt es durch intrazelluläre Atmung zu Gärungsvorgängen, die den Keimling schädigen.

Keimphase

Nach der Quellphase wird die Saat gut und gründlich durchgespült – vorzugsweise mit handwarmem Wasser – und nach einer  Abtropfzeit im Sieb zu 2/3 abgedeckt. Auch von unten sollte Sauerstoff an die Saat gelangen. Die weitere Atmung des  Keimlings ist mit der Entstehung von Kohlendioxid und einer fühlbaren Wärmefreisetzung verbunden.

Die Sauerstoffzufuhr ist jetzt wichtig, da sich sonst Kohlendioxid anreichert und hier eine intrazelluläre Atmung die Folge wäre. Die entstehende Gärung führt dabei zur Bildung von Ethanol, Fuselölen und Säuren, die den Keimling empfindlich schädigen können.

Während dieser Keimphase sollte mindestens alle 12 Stunden ein gründliches Durchspülen und Abtropfen erfolgen. Die Umgebungstemperatur hat einen großen Einfluss auf die Keimgeschwindigkeit, höhere Temperaturen beschleunigen erwartungsgemäß das Keimwachstum.  Überschüssiges Keimfutter kann problemlos im Kühlschrank aufbewahrt werden, wobei der Keimprozeß deutlich verlangsamt wird.

„Quellfutter“

Oft ist auch die Rede von so genanntem „Quellfutter“ – also einer Keimfuttermischung welche bereits nach der Quellphase verfüttert wird und der Spross noch nicht zu erkennen ist. Ernährungsphysiologisch ist es jedoch dem hier besprochenen Keimfutter deutlich unterlegen und vom Nährwert dem trockenen Korn gleichzusetzen. Einziger Vorteil des Quellfutters gegenüber dem trockenen Körnerfutter ist die Konsistenz, welche durchaus zu einer bevorzugten Aufnahme animiert.

Veränderungen durch die Keimphase

Der Samen besteht generell aus Keimling, Körper und Umhüllung (Spelze, Frucht- und Samenschale). Der Keimling ist der lebende Teil des Samens. Der Körper– je nach Samenart mit unterschiedlichen Kohlehydrat-, Protein- und Fettanteilen – dient dem Keimling während der Keimung als Nährstoffspeicher. Diese inneren Reserven reichen aus, den Keimling für längere Zeit von einer Nährstoffzufuhr unabhängig zu machen.

Beim Keimen steigt der Wassergehalt der Samen je nach Samenart in Kürze von 10 auf bis zu 70 bis 80 Prozent an. Mit dieser  Wasseraufnahme und der dadurch bedingten Volumenzunahme der Zellen, setzen zahlreiche Stoffwechselaktivitäten ein. Dies setzt allerdings voraus, dass im Samen auch tatsächlich eine  Keimungsbereitschaft vorhanden ist und somit die Samenruhe durchbrochen werden kann.

Die Keimbereitschaft ist stark abhängig von den Bedingungen während der Reife, der Ernte und der Weiterbehandlung (z.B. künstliche Trocknung aufgrund hohen Wassergehaltes des Kornes).

Im frühen Keimstadium ist der rasche Anstieg an bestimmten Enzymen bestimmend, der die Mobilisierung der Reservestoffe einleitet. Bereits wenige Stunden nach dem Weichen werden die im Keimling lokalisierten löslichen Zucker nahezu völlig verstoffwechselt. Der weitere Bedarf an Glukose wird durch die Mobilisierung der Stärke im Samenkörper gedeckt. Die komplexen Kohlenhydrate werden zu leicht verdaulichem Doppelzucker umgewandelt – der Keimling erhält seine typisch süßliche Geschmacksnote.

Der Abbau der Proteine (Reserveproteine) erfolgt durch Enzyme und wird direkt für Neusynthesen von Proteinen, Aminosäuren und weiteren stickstoffhaltigen Verbindungen verwendet. Hier ist vor allem die Veränderung zu Gunsten freier Aminosäuren hervorzuheben. Die Fettreserven werden zu Fettsäuren und Glycerin abgebaut – was eine Erhöhung des Gehaltes an mehrfach ungesättigten Fettsäuren nach sich zieht. Weitere Inhaltsstoffe des Korn werden zur Biosynthese sekundärer Pflanzenstoffe verwendet.

Der Anstieg an Vitamingehalten im Verlaufe der Keimung kann vor allem bei Vitaminen des B-Komplexes, Vitamin C, Vitamin E und Vitamin K beträchtlich sein. Auch hier spielt die Samenart eine große Rolle, sowie die Keimdauer.

Ernährungsphysiologischer Wert von Keimfutter

Während grundsätzlich der ernährungsphysiologische Wert von Keimfutter aufgrund der Bioverfügbarkeit der veränderten Inhaltsstoffe bereits im frühen Keimstadium hervorzuheben ist, ist mit fortschreitender Keimung und Einsetzen der Photosynthese ein Anstieg der Hauptnährstoffgehalte zu verzeichnen. Der Proteingehalt der gekeimten Saat steigt im Vergleich zur jeweiligen Trockensubstanz im weiteren Verlauf der Keimung bis zu etwa 30% an – abhängig von der jeweiligen Saat – wogegen er ab einer bestimmten Schwelle wieder absinkt.

Quelle: Dieser Text basiert auf dem hervorragenden Aufsatz von Olaf Hungenberg nachlesbar unter Nützliches > PDF-Dateien: > Berichte • Fachartikel > Keimfutter auf der Homepage der Firma Hungenberg (birdsandmore.de). Dort finden sich auch umfangreiche Quellenangabe!

Raben trösten ihre Freunde nach Auseinandersetzungen

Dass Raben mit einer gewissen Intelligenz Probleme lösen, ist mehrfach bewiesen. Dass sie aber auch zu einem gewissen Maß an Mitgefühl in der Lage sind, finden jetzt Forscher der Universität Wien heraus.

Raben trösten und beruhigen ihre Freunde, wenn diese bei einem Konflikt eins auf den Schnabel bekommen haben. Und werden sie selbst Opfer einer Streiterei, so suchen sie sich Trost bei ihren besten Bekannten. Das berichten Forscher der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle der Universität Wien im Journal „Plos One“.

Orlaith Fraser und Thomas Bugnyar hatten über ein Jahr lang das Verhalten einer Gruppe von dreizehn jungen Raben (Corvus corax) in einer Voliere des Instituts beobachtet. Dabei notierten sie genau, welche Tiere kurz nach einem Konflikt in der Gruppe sich welchen anderen zu- oder abwandten. Das Ergebnis zeigt eine gewisse Empathie der Tiere: Häufig wurden die Verlierer eines Kampfes von unbeteiligten anderen Raben durch Berührungen getröstet. Dies war umso wahrscheinlicher, je heftiger der Konflikt ausgefallen war.

Unterlegene Tiere eines Kampfes suchten danach auch selbst aktiv nach Trost bei anderen, wobei sie sich meist an jene wandten, die auch von sich aus Trost spendeten. Diese Tiere waren solche, zu denen auch sonst eine enge, für die Tiere wertvolle Bindung bestand. Da die jungen Tiere noch keine Paare gebildet hatten, konnten dies verschiedene engere Freunde in der Gruppe sein. Versuche zur Versöhnung mit dem Gegner, wie sie die Forscher von Affen kennen und zur Vermeidung späterer Konflikte erwartet hätten, kamen dagegen kaum vor.

Schon die erfolgreiche Suche nach Trost zeigt, wie die Tiere sich in der Gruppe helfen. Der spontane, ungefragte Trost von Freunden nach einem Kampf zeige ein gewisses Maß an Mitgefühl, das sogar über das von Affen hinausgehe, berichten die Wissenschaftler.

Kolkrabe

Copyright: © 2010 Fraser, Bugnyar. This is an open-access article
“Do Ravens Show Consolation? Responses to Distressed Others,” by Orlaith Fraser and Thomas Bugnyar. PLoS one Vol. 5 Iss. 5. DOI:10.1371/journal.pone.0010605

Filmtipp: Kluge Vögel – der Zweiteiler von Heinz von Matthey, Volker Arzt und Immanuel Birmelin

Kluge Vögel – der Zweiteiler von Heinz von Matthey, Volker Arzt und Immanuel Birmelin

Do., 10. Juni 14.15 Uhr, hr  Kluge Vögel – Teil 1 – Die Werkzeugmacher
Fr., 11.Juni 14.15 Uhr, hr  Kluge Vögel – Teil 2 – Die Kopfarbeiter

Informationen zum Film:

Vögel sind – grob betrachtet – Abkömmlinge der Dinosaurier. Als wollten sie ihrem Stammbaum Ehre machen, beherrschen sie nicht nur den Luftraum. Pinguine machen im Schwimmen und Tauchen den Fischen und Säugetieren Konkurrenz.  Die Straußenvögel dagegen haben das Land als Lebensraum erobert und sind zu „Rennern der Steppe“ geworden. Doch damit nicht genug: Immer mehr stellt sich heraus, dass die Vögel nicht nur Anpassungskünstler sind sondern auch über ein hohes Maß an Intelligenz verfügen. Manche Forscher rechnen sie sogar zu den klügsten Tieren auf diesem Planeten.

Bild 1: Ein Kea spielt mit der Brille von Volker Arzt. Fotos ©Matthey Film

Raben- und Papageienvögel verstehen Sprachen

Das Gehirn vieler Vogelarten ist nicht größer als eine Nuss, und dennoch sind ihre geistigen Fähigkeiten mit denen von Schimpansen oder Walen vergleichbar – zum großen Erstaunen der Biologen. Vor allem Raben- und Papageienvögel verblüffen durch ihr Sprachverständnis, ihren überlegten Einsatz von Technik oder ihre raffinierten Tricks im Umgang mit Artgenossen.

Doch auch die sogenannte technische Intelligenz, die zum Herstellen oder zum Verstehen von Werkzeugen gebraucht wird, ist bei manchen Vögeln gut ausgeprägt. Schier unglaublich sind Beobachtungen aus den Regenwäldern Neukaledoniens. Im fernen Neuseeland praktizieren Menschen und Keas eine Art respektvoller Koexistenz. Die Bergpapageien sind berüchtigt für ihre Neugier und ihren „Forscherdrang“: Sie untersuchen, was die Welt zusammenhält – und wie man sie am besten auseinander nimmt. Sie prüfen die Standfestigkeit von Bierflaschen, demontieren Dachträger, zerlegen Skistiefel. Sind sie nur geschickt und geduldig, oder besitzen Keas tatsächlich ein Verständnis für Technik und Alltagsphysik?

Bild 2: drei Wochen alte Kea Küken

Arbeit = Kraft x Weg – auch für den Bergpapagei

Wissenschaftler an der Universität Wien erhielten eine überraschende Antwort, als sie ihre handaufgezogenen Keas mit Seilen, Hebeln und Gewichten hantieren ließen. Die Papageienvögel lieferten überzeugende Beweise für die Beherrschung technischer und physikalischer Grundregeln. Unter den einheimischen Vögeln gelten Raben als besonders intelligent – was nicht unbedingt ihre Reputation erhöht. Die Rabenkrähe Konrad in Freiburg im Breisgau ist als Bürgerschreck verschrien: Sie nestelt die Rucksäcke der Studenten auf und durchsucht sie nach Müsliriegel; sie entwendet Parkmünzen und beseitigt Strafzettel. Doch Konrads Geschicklichkeit wird bei weitem übertroffen von seinen Verwandten am anderen Ende der Welt.  Bild 3: ein Kea wird erforscht

Bild 4: Keas im Experiment

Keas sind Technik-Genies

Die Keas im fernen Neukaledonien sind Werkzeug-Experten von einer bislang ungekannten Perfektion. Um Maden aus ihren Bohrlöchern zu holen, fertigen die Krähen Stocherspieße mit spitzen oder aufgefaserten Enden an – je nach Art der Maden. Von Palmblättern reißen sie Streifen ab und stellen daraus Angelgeräte mit Widerhaken her – in einfacher Standardausführung oder als hochwertige Luxusmodelle. Selbst eine Art Maschine zum Nüsse knacken geht auf ihr Erfinderkonto.

Jahrelang haben Wissenschaftler versucht, diese technischen Meisterleistungen filmisch fest zu halten. Doch die meisten Bemühungen waren vergeblich. Die schlauen Papageien waren zu scheu und zu schnell. Erst ein simpler Trick brachte jetzt den Durchbruch: Die Vogelforscher versahen einen Baumstamm mit künstlichen Bohrlöchern und packten frische Maden hinein – eine Art Waldrestaurant für Krähen. Die Futterstation fand großen Zuspruch. Dabei führten die Gäste zunächst die Herstellung und dann den Einsatz ihrer raffinierten Essbestecke vor.

Über zwei Jahre sind Volker Arzt, Immanuel Birmelin und ein Kamerateam von Heinz von Matthey zu den Hochburgen der Vogelintelligenz gereist. In Regenwälder und Wüsten, in Universitätsinstitute – und zu Vogelliebhabern. Mit Respekt, Witz und Bewunderung berichten die Autoren von geistigen Glanzleistungen, die man noch vor kurzem ins Reich der Fabel verwiesen hätte. Dabei erweisen sich Vergleichstests mit Schimpansen oder Kindergartenkindern als besonders überraschend und aufschlussreich.

Mit freundlicher Genehmigung: Matthey Film
Fotos: ©Matthey Film

Abstrakte Überlegungen bei Krähen – Vögel lösen komplexe Aufgaben

Menschenaffen, Rabenvögel und Papageien zeigen alle in der freien Natur erfinderische Verhaltensweisen. Jedoch ist es unklar, ob diese erfinderische Verhaltensweisen mehr durch kognitive Einsichten oder nur durch einfaches Lernen durch Ausprobieren gestützt werden.

Um diese Fragestellung zu untersuchen, gaben die Neuseeländische Forscher  A. Taylor und Mitarbeitern Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) ein dreistufiges Problem, das sie nur mit Hilfswerkzeugen lösen konnten. Die Wissenschaftler stellten sieben wilde Geradschnabelkrähen vor eine Aufgabe, die nur in mehreren Schritten bewältigt werden konnte: Um an ein Fleischstück in einer Kiste mit Loch heranzukommen, mussten die Krähen einen langen Stock einsetzen.

Dieser befand sich aber in einer Gitterbox und konnte nur mit einem kleineren Stock herausmanövriert werden. Diesen kleinen Stock mussten die Vögel zuvor von einer von der Decke baumelnden Schnur lösen.  Diesen kurzen Stock  hatten die Wissenschaftler jedoch vor dem Experiment  für die Krähen zu einem unattraktiven Objekt gemacht – sie ließen die Krähen mehrmals erfolglos versuchen, mit diesem Werkzeug das Fleischstück zu erreichen. Dennoch benutzten die Krähen beim ersten Versuch die Hilfswerkzeuge in der nötigen Reihenfolge.

Die Wissenschaftler werten dies als Zeichen für kognitive Fähigkeiten, die über ein einfaches Lernen durch Ausprobieren hinausgehen. Sie schließen daraus, dass Krähen komplexe Aufgaben auch in einem neuen Zusammenhang lösen können  und dabei abstrakte kausale Zusammenhänge erkennen.

A. H. Taylor, D. Elliffe, G. R. Hunt, and R. D. Gray: Complex cognition and behavioural innovation in New Caledonian crows, Proc R Soc B 2010 0: rspb.2010.0285.

Der Kormoran ist ‚Vogel des Jahres 2010‘

Der Kormoran ist ‚Vogel des Jahres 2010‘ (Quelle: Information des NABU, Bildmaterial von Wikipedia)

Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern haben den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Die beiden Verbände wollen sich damit offensiv für den Schutz des Kormorans einsetzen, der nach seiner Rückkehr an deutsche Seen, Flüsse und Küsten wieder zu tausenden geschossen und vertrieben wird.  Jedes Jahr werden 15.000 Kormorane getötet „Unter dem Vorwand eines ‚Kormoran-Managements‘ haben nahezu alle Bundesländer spezielle Kormoran-Verordnungen erlassen, die den bestehenden Schutz der Vögel untergraben“, erklärte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Diese Verordnungen erlauben die flächendeckende Tötung von Kormoranen unabhängig von einem Schadensnachweis an Fischbeständen selbst in Naturschutzgebieten, teilweise sogar ausdrücklich während der Brutzeit. „Die Bilanz ist beschämend: Jedes Jahr werden in Deutschland wieder rund 15.000 Kormorane getötet“, so Opitz.

Jahrzehntelang war der Kormoran (Phalacrocorax carbo) aus Deutschland so gut wie verschwunden – das Ergebnis intensiver Verfolgung durch Fischer und Angler. Erst nach konsequentem Schutz durch die EG-Vogelschutzrichtlinie (1979) leben in Deutschland heute wieder rund 24.000 Brutpaare, davon mehr als die Hälfte in großen Kolonien nahe der Küste. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. „Die Rückkehr des Kormorans ist ein Erfolg für den Vogelschutz, auf den wir stolz sein können“, betonte der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann. Berufsfischer und Angler versuchten jedoch, die Vertreter von Politik und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. „Doch Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden langfristig auch keine Fischarten. Vielmehr kommt es darauf an, sich für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen – damit alle Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben“, so Sothmann. Aus Sicht von NABU und LBV sollten fischfressende Vogelarten wie der Kormoran als natürlicher Bestandteil unserer Gewässerökosysteme akzeptiert werden.

Ein Prüfstein für umsichtigen Artenschutz

Die 80 bis 100 Zentimeter großen und zwischen zwei bis drei Kilo schweren Vögel fangen bevorzugt Fische, die sie ohne großen Aufwand erbeuten können – sie sind Nahrungsopportunisten. Darum stehen vor allem häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische auf ihrem Speiseplan, die besonders in nährstoffreichen Gewässern in großen Mengen vorkommen. „Edelfische“ wie Felchen oder Äschen machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur geringe Anteile ihrer Nahrung aus.

NABU und LBV lehnen eine flächendeckende Regulierung der Kormoranbestände grundsätzlich ab. Denn es gibt Alternativen. Eine zeitgemäße Strategie ist die Schaffung von Ruhezonen. So werden die Wasservögel an Orte gelenkt, an denen sie sich von reichhaltigen Fischbeständen ernähren können – dazu zählen größere Stillgewässer und Flüsse ebenso wie die Küste. Dadurch verringert sich der Druck auf Fischzuchtanlagen oder die Rückzugsräume seltener Fischarten. An Fischzuchtanlagen beziehungsweise in Zentren der Teichwirtschaft können gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort müssen gemeinsam vor Ort Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden durch Kormorane zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart erneut zu gefährden. Fischteiche können beispielsweise durch das Überspannen mit weitmaschigen und gut sichtbaren Drahtnetzen sowie durch optisches und akustisches Vertreiben wirksam geschützt werden. „Wir möchten zeigen, was getan werden kann, um Kormoranen und Fischern eine Zukunft an unseren Gewässern zu sichern. Der Umgang mit dem Kormoran ist ein Prüfstein für einen umsichtigen Artenschutz in Deutschland und Europa“, so die Verbände.

Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein Meistertaucher. Bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief kann er tauchen. Sein mit Wasser vollgesogenes Gefieder lässt er von Wind und Sonne trocknen – ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Dazu breitet er die Flügel in der charakteristischen Haltung auf einem Ruheplatz aus. Abgesehen von Südamerika (Ausnahme: flugunfähiger Kormoran auf den  Galapagosinseln) ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause.

Quelle, Link: http://www.nabu.de

Ultraviolettes Licht, ein notwendiger Bestandteil für die artgerechte Haltung von Ziervögeln

Ultraviolettes Licht, ein notwendiger Bestandteil für die artgerechte Haltung von Ziervögeln (Dr.Gerd Britsch, Dr.Marcellus Bürkle, Carina Anthonj)

Der Kenntnisstand der Forschung im Bereich Vogelmedizin und Haltung und der Sachverstand der Ziervogelhalter nimmt erfreulicherweise immer mehr zu. Dank Internet finden neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnell den Weg in die Diskussionsforen und werden so einer großen Anzahl von Menschen näher gebracht und von vielen schnell umgesetzt. Dem Ziel, die Vogelhaltung permanent zu verbessern werden wir so Stück für Stück näherkommen.

Die Frage, die uns beschäftigt, lautet: Wie sieht die ideale Vogelhaltung nach heutigem Wissenstand aus?  Um Vögel unter artgerechten Bedingungen zu halten, gehören gutes Futter, ausreichend Platz, Artgenossen, gute Luft und natürliches Licht zur Grundausstattung. Der Verbesserung der Beleuchtung wird in letzer Zeit immer mehr Beachtung geschenkt, weil viele gesundheitliche Probleme, Verhaltensanomalien und schließlich auch das Wohlbefinden der Vögel mit der Beleuchtung in Zusammenhang stehen.

Ein heller Platz für die in Wohnungen gehaltenen Vögel, auch wenn sie direkt an einem Fenster stehen, mag für das menschliche Empfinden ein Platz mit guten Lichtverhältnissen sein. Aus der Perspektive des Sittichs und Papageien sieht das jedoch völlig anders aus. Fensterglas wirkt als fast 100%-iger Filter für ultraviolettes Licht.

Das durch Glasscheiben einfallende Licht besitzt also keinen UVAnteil mehr und das, obwohl dieser Platz sehr hell erscheint. Der Vogel nimmt diese unzureichenden Lichtverhältnisse im Gegensatz zu uns Menschen sofort war, was sich vitalitätshemmend auswirken kann und im schlimmsten Fall auch zu Krankheiten führt. Vögel, denen Sonnenlicht zukommt, z.B. in der Freivolieren-Haltung, haben eine bedeutend bessere, weil natürliche Lichtversorgung.

Natürliches Licht bedeutet also möglichst sonnengleiches Licht, im Idealfall sogar Lichtverhältnisse wie im Habitat der Tiere. Warum ist das so wichtig? Jeder weiß, Vögel übertreffen die Sehleistung des Menschen bei weitem. Sie nehmen neben dem für uns sichtbaren Bereich auch Strahlung im ultravioletten Spektrum war. Zur Veranschaulichung, was das für einen Vogel bedeutet, dazu ein Beispiel: Während eine Amsel für uns einheitlich schwarz aussieht, nimmt das Vogelauge zu dieser schwarzen Grundfarbe auch die Reflektionen des UVLichtes auf dem Gefieder war, welche zusätzliche Informationen beinhaltet. Mit dem Vogelauge betrachtet erscheint die Amsel in bunten Farben.

Die Bedeutung dieses Sehvermögens wird klar, wenn man weiß, dass ca. 80% der Vögel, bei denen für uns Menschen kein Geschlechtsdimorphismus  erkennbar ist, unter UV Bestrahlung und mit den Fähigkeiten des Vogels betrachtet  die Geschlechter sehr wohl unterschiedlich aussehen. Der Vogel kann also schon auf weite Entfernungen unter natürlichem Licht erkennen, ob es sich bei dem Artgenossen um ein Männchen oder Weibchen handelt.

Ebenso erhält er die Informationen über den Gesundheitszustand des anderen Tieres, da nur gut gepflegtes Gefieder, wie es gesunde Tiere haben, ultraviolettes Licht auch intensiv reflektiert. Aber auch bei der Futtersuche und Futterselektion spielt natürliches Licht eine Rolle. Das ultraviolette Licht zeigt den Herbivoren den Reifegrad einer Futterpflanze und erleichtert die Auswahl.

Beim Greifvogel weiß man schon lange, dass die Vollspektrum Bestrahlung durch die Sonne von enormer Wichtigkeit ist. Der Mäusebussard erkennt ein gutes Jagdrevier anhand der Reflektionen des Mäuseurins, die die Laufwege der Nagetiere für das Vogelauge wi ein Leuchtspuren erscheinen lassen. Je intensiver also eine Wiese unter UV-reichem Sonnenlicht erstrahlt, desto mehr Mäuse kommen dort vor und desto bessere Aussichten für die Nahrungssuche finden sich dort. Diese Information erhält der Greifvogel auf grund des außerordentlich gut ausgebildeten Sehvermögens bereits aus großer Höhe.

Vögel benötigen also ultraviolette Strahlung, insbesondere UVA und UVB Strahlung, um ihre Umgebung in natürlichen Farben wahrzunehmen. Es verursacht sicher keine Schmerzen, dem Vogel natürliches Licht vorzuenthalten, aber die angestrebte ideale Vogelhaltung kann ohne UV Licht nicht erreicht werden.

Neben dem Vorenthalten der natürlichen Wahrnehmung wird ein entscheidender medizinischer Faktor unter unzureichenden Lichtverhältnissen zum Problem. Vögel benötigen genau so wie wir Menschen ultraviolettes Licht für die Synthese von Vitamin D3. Unter UV-armen Lichtverhältnissen wird zu wenig oder gar kein Vitamin D3 gebildet. Welche Folgen hat das?

Um das zu verstehen, muss man die Wirksamkeit dieses Vitamins kennen. In groben Zügen besteht die Funktion des Vitamin D3 darin, die Resorption des aufgenommen Calciums des Futters im Darm zu ermöglichen, das Blut als Transportmedium mit Calcium anzureichern und das Calcium in den Stoffwechsel einzufügen. Steht dazu  kein UV-Licht zur Verfügung, wird kein Vitamin D3 gebildet. Wenn kein Vitamin D3 gebildet werden kann, wird die Resorption von Calcium im Verdauungstrakt gestört. Kommt dadurch zu wenig Calcium in die Blutbahn, nennt man das Hypocalcämie und es kommt zu folgenden Symptomen und Erkrankungen:

1.   Einschränkung der Muskelfunktion mit Bewegungsstörungen

Was viele Menschen nicht wissen: Calcium ist  für die Muskeltätigkeit von enormer Bedeutung. Der Grund liegt im Aufbau und der Funktionsweise der ZeIle. Jede Muskelzelle enthält einen Calciumspeicher. Dieser Speicher muss immer gefüllt sein, um die Muskeltätigkeit zu gewährleisten. Bei unzureichender Resorption aus dem Verdauungstrakt entsteht eine Mangelsituation und die Reserven gehen zu Ende. Insbesondere nach intensiver Muskeltätigkeit, wie es beim Flug oder Kletterpartien der Fall ist, treten Symptome auf. So haben viele Lahmheiten der Zehen und Beine, die nicht in Zusammenhang mit Verletzungen auftreten, ihre Ursache in dieser unzureichenden Calciumresorption. Bei intensiver UV Beleuchtung und ausreichender Calciumversorgung kann sich so mancher „Lahme“ nach kurzer Zeit wieder normal bewegen.


2.  Knochenschäden

Die bekannteste Erkrankung ist die Fraktur. Ein Calciummangel führt zu instabilen Knochen und zur Neigung, schon bei leichten bis mittleren Traumata schnell zu brechen. Bei Jungtieren tritt die so genannte Rachitis auf. Durch Knochenweiche kommt es zu Skelettdeformationen, die sich während des Heranwachsens langsam als „krumme Knochen“ verfestigen. Meist verläuft diese Erkrankung vom Besitzer zunächst unbemerkt. Wenn später durch deformierte Beckenknochen Legenot auftritt, weil das Ei den viel zu engen Beckenaustritt nicht passieren kann, entsteht ein plötzlicher Notfall. Deformierte Knochen belasten die Gelenke in unphysiologischer  Art und Weise. Schon in mittlerem Alter entstehen so Arthrosen mit den Symptomen Lahmheit und Schmerzen.  Bei beginnenden Arthrosen treten Lahmheiten am deutlichsten nach Ruhephasen auf und normalisieren sich zwischenzeitlich. Bei einem Röntgenbild anlässlich einer Routineuntersuchung lassen sich nicht selten Knochenschäden feststellen, die von den Besitzern noch unbemerkt sind. Leider kann der Tierarzt deformierte Knochen nicht wieder gerade biegen und so muss der Vogel sein Leben lang mit den Schäden klarkommen.


3.  Legenot

Wie oben bereits beschrieben, führen unter anderem deformierte Beckenknochen zu Legenot. Aber auch ein leerer Calciumspeicher der glatten Muskelzellen des Legedarms führt zu einem Abschwächen der Muskelkontraktionen und damit des Pressens. Bleibt das Ei zu diesem Zeitpunkt teilweise in der Kloake stecken und verlegt so den Darmausgang, entsteht ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofort behoben werden muss. Calciummangel führt auch zu Schalendeformationen, die ein Entwickeln des Eies stark behindern können. Fehlt die Schale gänzlich, so spricht man von einem „Windei“.


4.  Zentralnervöse Störungen

Calcium hat umfassende Wirksamkeit im gesamten Körper einschließlich der Nervenfunktionen. Die größte Ansammlung von Nervenzellen findet sich im Gehirn. Daher kommt es bei Calciummangel auch zu teilweisen Ausfällen und Symptomen in diesem Bereich. Es können verschiedene  Anfallsleiden entstehen mit Symptomen wie Zittern, Zuckungen, Lähmungen und Krämpfe.

Ultraviolettes Licht, Calcium und Vitamin D3 sind also ein Trio, das gemeinsam für wichtige Körperfunktionen verantwortlich ist. Eine Versorgung mit viel Calcium über das Futter reicht meist nicht aus, um den Blutcalciumspiegel deutlich zu erhöhen. Die UV Strahlen über direktes Sonnenlicht oder über UV-Vogellampen sind notwendig, um genug Vitamin D3 im Körper entstehen zu lassen. Erst dann wird das über das Futter  aufgenommene Calcium auch effektiv verwertet. Vitamin D3 in größeren Mengen über dasFutter oder Wasser zuzusetzen ist bedenklich, da dieses Vitamin bei Überdosierung zu irreversiblen Verkalkungen von Blutgefäßen führt und damit tödliche Auswirkungen haben kann. Die Vogelhaltung in Wohnungen muss anstreben, den Tieren die möglichst beste Situation zu bieten. Und dazu gehören zweifellos gute Lichtverhältnisse.


Welche UV-emittierende Beleuchtung ist zu empfehlen?

1.   Sonnenlicht

Die beste Beleuchtungseinrichtung ist die Sonne. In Freivolieren ohne Glasscheiben findet sich das hochwertigste, weil natürlichste Licht. Selbst im Schatten oder bei bewölktem Himmel kann man noch ausreichend hohe UVStrahlung messen, um dem Vogel seine notwendige Vitamin D3 Synthese undn atürliches Farbensehen zu ermöglichen. Zu dem kostet Sonnenlicht nichts. Wer seine Vögel ganzjährig draußen hält, braucht also keine künstliche UV Lichtquelle. Aber welcher Papagei oder Sittich verkraftet eine ganz jährige Außenhaltung wegen der im Winter niedrigen Temperaturen schon? Bei Keas stellen Minustemperaturen und Schnee kein Problem dar, bei fast allen anderen Spezies jedoch schon. Daher sind andere Alternativen der Beleuchtung zu wählen, die die Schwächen der notwendigen Innenhaltung ausgleichen.


2. UV-emittierendeLeuchtstoffröhren

Sie werden häufig eingesetzt und waren bislang die beste Möglichkeit der UV Versorgung. Leider gibt es etliche Schwachpunkte, so dass ihr Einsatz bei sachkundigen Vogelhaltern in Zukunft deutlich zurückgehen wird.

Leuchtstoffröhren, die ohne elektronische Vorschaltgeräte betrieben werden, sind generell abzulehnen. Sie werden in der Regel mit einer Frequenz von 50 Hertz betrieben. Das bedeutet, fünfzig mal pro Sekunde wird das Licht ein und wieder ausgeschaltet. Da Menschen weit weniger als 50 Bilder pro Sekunde verarbeiten können, entsteht im menschlichen Gehirn der Eindruck, dass diese Röhren permanent Licht ausstrahlen. Das ist falsch. Vögel können weit mehr Bilder pro Sekunde verarbeiten als der Mensch. Sie sehen, dass das Licht der Leuchtstoffröhren ein und wieder ausgeschaltet wird. Es entsteht das Empfinden von ständigem Flackern des Lichtes. Vergleichbar ist diese Situation mit einem Leben unter ständiger Stroboskop-Beleuchtung. Das verursacht, wie man sich leicht vorstellen kann, enormen Stress. Natürlich gewöhnen sich Vögel auch an sehr schlechte Verhältnisse. Daher ist auch zu erklären, dass nicht alle Tiere unter Leuchtstoffröhren Bestrahlung Verhaltensauffälligkeiten entwickeln und krank werden. Dieses Dauerflackern nimmt bei älteren Röhren weiter zu, so dass es auch für Menschen an den Enden der Röhre ein leichtes Flackern zu sehen ist. Abhilfe bei diesem Problem schafft ein elektronisches Vorschaltgerät (EVG). Bei einer mit EVG ausgestatteter Halterung zündet die Röhre nicht nur fünfzig mal, sondern einige tausend mal pro Sekunde, so dass auch für das  Vogelauge der Eindruck von flackerfreiem Licht  entsteht. Ist also eine UV Leuchtstoffröhre mit EVG die ideale Lösung? Leider nein! Und das hat zwei entscheidende Gründe.

Der erste Grund ist die mangelnde Reichweite. Die Menge der UV-Strahlung nimmt bereits nach wenigen Zentimetern ab und ist schon in einem Abstand von ca. 20 cm nicht mehr annähernd mit der Intensität von natürlichem Sonnenlicht zu vergleichen. Mit Reflektoren kann man zwar die Leistung und Reichweite etwas steigern, jedoch reicht es immer noch nicht, es sei denn die Tiere halten sich in unmittelbarere Nähe der Leuchtstoffröhre auf.

Der zweite Grund, weshalb sich Röhren nicht eignen, ist der unglaublich schnelle Abfall der Leistung. Das ist der Grund, weshalb meist ein jährlicher Austausch der Leuchtmittel empfohlen wird. Leider beginnt der deutlich  Leistungsabfall jedoch schon nach wenigen Monaten, so dass die Häufigkeit des Austausches erhöht werden muss. Die Leuchtmittel alle paar Monate zu erneuern ist jedoch wegen des Aufwandes und der Kosten kaum praktikabel.


3. Die UV-emittierende StromsparIampe

Sie ist relativ preiswert und passt in handelsübliche E27 Fassungen. Soweit zu den Vorteilen. Die Nachteile sind die ebenfalls niedrige UV-Menge und die kurze Reichweite, selbst mit Reflektor. Auch mangelt es an Langlebigkeit, denn auch ihre ultraviolette Strahlung nimmt schon nach wenigen Wochen bis Monaten deutlich ab. Da jedoch die Helligkeit ebenso wie die der Leuchtstoffröhren scheinbar gleich bleibt, wird der massive Leistungseinbruch vom Vogelhalter nicht bemerkt. Er  wiegt sich daher oft in falscher Sicherheit, alles für seine Tiere zu tun, um ihr Wohlbefinden zu unterstützen, auch wenn die UV-Strahlung bereits gegen Null geht. Messbar ist dieser Leistungseinbruch bereits nach kurzer Zeit, aber welcher Privathalter hat schon ein UV Messgerät?


4. Metalldampflampen

Die UV Lampen für Vögel der neueren Generation bestehen aus einem EVG und einem mit einem Spotstrahler vergleichbaren kleinem Leuchtmittel für flackerfreies Licht auf Metalldampfbasis. Der Nachteil liegt im relativ hohen Anschaffungspreis und der gewöhnungsbedürftigen intensiven, fast schon grellen Strahlung, eben wie die der Sonne. Nach dem Ausschalten des Leuchtmittels benötigt sie einige Minuten, um erneut wieder angeschaltet werden zu können. Ständiges An- und Ausschalten  beeinträchtigt die Lebensdauer ebenso, wie Verschmutzungen des Quarzfilterglases, das an der Lampe angebracht ist. Dem Ziel, sonnenähnliches Licht zu emittieren, kommt diese Beleuchtung am nächsten. Hohe UV Werte bei langer Reichweite und dennoch niedrigem Stromverbrauch sind entscheidende Vorteile. Der hohe Anschaffungspreis wird durch die Langlebigkeit relativiert. Ein Sicherheitsaspekt für ausreichende UV Leistung kommt hier zum Tragen. So lange die Lampe leuchtet, strahlt sie hohe UV Mengen ab, selbst nach Jahren. Um Schäden zu vermeiden, sollte der Mindestabstand zum Vogelauge auf ca. 20 cm bei permanenter Tagesbestrahlung eingehalten werden. Herstellerangaben dazu sind zu beachten. Zudem soll der Lichteinfall von oben oder schräg oben erfolgen, eben wie die Sonne. Da Vögel genau so wenig wie Menschen gerne direkt in die Sonne  sehen, kann dieses sehr helle Licht so nicht zu Irritationen führen. Wenn Tiere das intensive Licht zum ersten Mal sehen, werden sie zu nächst jedoch sehr skeptisch evtl. sogar ängstlich reagieren. Eine Eingewöhnungszeit mit kurzen Beleuchtungsintervallen sollte dann Abhilfe schaffen.


Zusammenfassung

Das  mit Abstand beste Licht schenkt uns die Sonne. Wer keine Freivoliere hat, ist jedoch auf künstliche  UV Quellen angewiesen, um seinen Vögeln möglichst naturnahe Lichtverhältnisse zu bieten. Für alle  in Wohnungen gehaltenen Vögel ist UV Licht  unverzichtbar. Falsche,  sogar schädliche Anwendung wie z.B. Leuchtstoffröhren ohne elektronisches Vorschaltgerät können trotz aller guten Absicht enormen Stress bei den Tieren auslösen. Von allen Möglichkeiten der Kunstlichtbestrahlung, die derzeit auf dem Markt zur Verfügung stehen, wird sich der Metalldampfstrahler für Vögel bei Fachkundigen vermutlich durchsetzen, zumindest bis eine noch bessere und noch sonnen ähnlichere Beleuchtungstechnik entwickelt wird.

Dieser Aufsatz erschien in BNA aktuell  2 / 2009;

Veröffentlichung auf unserer Internetseite mit freundlicher Genehmigung  der BNA-Geschftsstelle vom 02.09.2009  ( www.bna-ev.de ).

Nach mündlicher Auskunft von Dr. Marcellus Bürkle sinf Metalldampflampen zur Zeit auf dem freien Markt nicht erhältlich, seine tierärztliche Praxisgemeinschaft bemüht sich um eine Lieferung; Metalldampflampen sind dann voraussichtlich über seine Praxis zu beziehen.

Weitere Informationen zur Lichtproblematik und zu Bezugsquellen:

http://www.papageienhilfe.de/seite/coconews//33/page4.htm

 

Page 1 of 212»